Sonntag, 16. April 2017

Osterbotschaft

Gott glaubt an dich, ob du nun an ihn glaubst oder nicht. Er hält dir die Treue und sorgt für dich, auch wenn du nichts von ihm wissen willst. Er ist für dich da in guten und in schlechten Tagen, egal, ob du nun an ihn denkst oder nicht, dich nun um ihn kümmerst oder nicht, dein Leben an ihm ausrichtest oder nicht. Gott will dein Bestes, ob du ihn nun verstehst oder nicht. Gott weiß, was du tust und willst, und ist bereit dir alles Schlechte zu vergeben und mit dir und für dich Gutes zu bewirken, wenn du ihn nur lässt. Gottes Gnade wartet jederzeit auf dich, auch wenn du sie nicht verdient hast. Du kannst sie dir ohnehin nicht verdienen, sie ist ein Geschenk. Wende dich Gott zu und du wirst schon sehen. Gottes Liebe zu dir überwindet jedes Hindernis. Sogar deinen Unglauben. Du kannst dich auf Gott verlassen. Überlass deine Schwäche seiner Stärke, deine Feigheit seinem Mut, deine Zögerlichkeit seiner Entschlossenheit und deine Zweifel seiner Unerschütterlichkeit. Ohne Gott ist alles sinnlos, mit ihm ist nichts unmöglich. Lass dich erlösen. Das Übel in der Welt wird nicht das letzte Wort haben, denn das Endliche ist nicht das Ganze, der Tod ist nicht das Ende. Erst mit Gott ergibt alles einen Sinn. Andere haben das vor dir geglaubt: Nimm das Zeugnis der Überlieferung an und setze alles auf Gott. Wage den Glauben, die Hoffnung, die Liebe. Dann wird alles gut.

Freitag, 14. April 2017

Gegen eine Verharmlosung des Christentums

Christentum muss weh tun. Nämlich den Christen und auch den Nichtchristen. Ein Christentum, das nicht weh tut, ist keines. Was nichts kostet, ist auch nichts wert, und für die Nachfolge Christi ist unbedingt das ganze Leben daranzugeben. Gelegenheits- und Teilzeitchristentum zählt einfach nicht. Der Preis ist das Ganze. Ganz oder gar nicht, das ganze Leben bis zum Tod und darüber hinaus. Wer Christ sein will, muss deswegen nicht unbedingt sterben, aber er muss dazu bereit sein. Er braucht den Tod nicht zu fürchten. Vor allem aber soll er leben, voll und ganz leben für Christus, mit Christus und in Christus. Das ist ein unerhörter Anspruch. Christentum ist nämlich keine harmlose Sache. Es ist autoritär, totalitär, revolutionär, radikal und extremistisch.
Das Christentum ist autoritär, denn was Jesus Christus sagt, gilt, jetzt und für immer. Sein Evangelium ist Richtschnur für das Denken, Reden und Handeln. Es ist unveränderlich und unfehlbar. Der Christ soll nicht mehr dies und das wollen, was ihm halt so einfällt, sondern nur noch, was Gott will. Sein ganzes Tun und Lassen soll er am Willen Gottes ausrichten und sich in allem, wirklich in allem Gott unterordnen.
Das Christentum ist totalitär, denn es betrifft alles und jeden. Es lässt keine Ausreden gelten und gestattet keine Ausnahmen. Es fordert alles und duldet keinen Widerspruch. Es gilt immer und überall, Tag und Nacht, Jahr für Jahr, lückenlos und ohne irgendeinen Freiraum. Christ ist man ganz oder gar nicht. Ein bisschen Christ sein gibt es so wenig wie ein bisschen schwanger sein.
Das Christentum ist revolutionär, denn Jesus Christus fordert zur Umkehr auf. Das heißt, dass alles anders werden muss, dass jeder Einzelne anders werden muss, nämlich frei von Sünde. Das Evangelium fordert einen neuen Menschen und erfordert darum den Tod des alten. Um Christus nachzufolgen, muss man umkehren, sich von der Sünde abwenden und Gott zuwenden. Man muss sich von den hinderlichen Bindungen an diese Welt lossagen und frei werden für das ewige Leben. Das ist die größte Umwälzung von allen.
Das Christentum ist radikal, denn es will von Grund auf einen besseren Menschen, einen, der Gutes tut und Böses lässt, und damit von Grund auf bessere Verhältnisse. Das Übel soll an der Wurzel gepackt und ausgerottet werden. Es geht nicht um äußere Formen, um so ein bisschen Frömmigkeit obenhin, sondern um ein Leben nach Gottes Wort durch und durch. Alles soll von Grund auf gut werden, jeder einzelne Mensch ein Heiliger, alle zusammen eine Gemeinschaft von Heiligen.
Das Christentum ist extremistisch, denn es gibt sich nicht mit halben Sachen zufrieden. Es verlangt nach dem ganzen Menschen, nach seinem ganzen Leben, nach seiner vollen, bedingungslosen Hingabe. Der Christ soll bis zum Äußersten gehen. Den Willen Gottes zu tun ist der Extremfall, der gemäß dem Evangelium zum Normalfall werden soll. Die herrschende Normalität, das Mittelmaß, die Lauheit, das nicht ganz böse, aber auch nicht ganz gut Sein, steht dem Christentum im Wege und muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Kompromisse sind Komplizenschaften. Die Wahrheit gilt unbedingt. Jede Einschränkung, Abschwächung, Weglassung verrät sie an die Lüge. Es gilt, das Gute zu tun und das Böse zu lassen, alles andere ist Sünde.
Die Sünde stammt nicht von Gott. Die Sünde macht unfrei, Gott aber will die Freiheit jedes einzelnen Menschen. Die Menschen jedoch haben sich und einander zu Knechten der Sünde gemacht. Alle Schlechtigkeit der Welt erwächst aus dem Tun und Lassen der Menschen. Sie müssen ihr Tun und Lassen von Grund auf und nachhaltig ändern, damit etwas besser werden kann. Aber das vermögen sie nicht aus eigener Kraft. Sie brauchen Christus. Nur durch ihn, mit ihm und in ihm kann alles vollendet werden.
Am Ende wird alles gut. Bis dahin ist alles mehr oder minder schlecht außer Gott und das, was von Gott stammt. Nur wenn sie sich ganz Gott überlassen, können die Menschen der Sünde entkommen und in Gottes Herrlichkeit eingehen. Ohne die Gnade Gottes sind die Menschen nichts, ihr Treiben ist nichtig und böse. Die Gnade Gottes aber hilft der Schwachheit auf, sie führt zur Vergebung der Sünden und zur ewigen Seligkeit.
Christentum ist Einspruch gegen die Schlechtigkeit der Welt. Damit dieser Einspruch sinnvoll ist, muss er so vorgebracht werden, dass die Welt ihn sich nicht gefallen lassen kann. Ein Christ, der nicht von der Welt verfolgt wird, hat sich nicht entschieden genug gegen die Welt gewandt.
Christ sein heißt, der Welt eine Absage zu erteilen. Christen dürfen nicht so wie die Welt sein wollen. Sie dürfen nicht wollen, was die unter der Herrschaft der Sünde stehende Welt will. Sie müssen der Welt widersprechen. Diesen Widerspruch am eigenen Leibe zu erfahren, bedeutet zu leiden.
Darum ist Leiden nichts Schlechtes. Wer leidet, hat Anteil am Guten, das dem Bösen und dem das Böse widerspricht. Vieles ist nicht so, wie es sein sollte. Das Gute ist das, was sein soll, das Böse soll nicht sein. Trotzdem geschieht es, und dieser Widerspruch widerfährt den Menschen als Leiden. Niemand soll sich oder anderen unnötigerweise Leid zufügen. Wer kann, soll das Leid anderer und das eigene lindern und beseitigen. Leiden ist kein Selbstzweck. Es zeigt an, dass etwas nicht in Ordnung ist. Man braucht das Leiden also nicht zu suchen, aber man darf ihm auch nicht ausweichen, wenn das hieße, die Wahrheit zu verraten. Nicht jedes Leiden ist sofort oder überhaupt je verständlich und ergibt einen erkennbaren Sinn. Gleichwohl ist es, wenn es unvermeidbar ist, anzunehmen. Gottes Sohn hat für uns gelitten. Wer um Christi willen leidet, wer sein Leiden Gott aufopfert, wird Anteil haben an der Herrlichkeit dessen, der den Tod überwunden hat.
Nur der, der ganz Gott und ganz Mensch war, konnte durch seinen Tod und seine Auferstehung die Herrschaft der Sünde brechen und Gott und Menschen versöhnen. Durch sein Opfer sind die Menschen ein für alle Mal freigekauft (erlöst) von der Sünde. Das heißt nicht, dass seither niemand mehr sündigt. Auch nicht, dass niemand mehr leidet. Aber es heißt, dass die Sünde, wenn der Sünder sich von ihr ab- und dem Erlöser zuwendet, vergeben wird und dass an die Stelle der unvermeidliche Folge der Sünde, also des Todes und der ewige Qual der Gottesferne (Hölle), das ewige Leben und die Seligkeit der Schau von Gottes Herrlichkeit tritt.

Donnerstag, 13. April 2017

Bemerkung zur Pflicht zur Anerkennung selbstgewählter Identität

Wenn einer verkündet, er sei jetzt ein Baum oder eine Telefonzelle, dann muss ich ihm nicht unbedingt widersprechen, aber glauben muss ich ihm auch nicht. Schon gar nicht muss ich „seine Entscheidung respektieren“. Dabei geht's gar nicht einmal so sehr um das Konstrukt „Natur“ oder eine Entscheidung darüber, was jemand „eigentlich“ ist oder nicht ist, sondern darum, dass die Vorstellung, jeder müsse die Kategorien, denen andere ihn zuordnen müssen, selbst bestimmen dürfen, bescheuert ist. So funktioniert Gesellschaft nicht. So funktioniert Realität nicht.
Wenn X sagt, er sei in Wirklichkeit Y, dann mag das für ihn gelten (im Sinne von: irgendwie wahr sein), aber das verpflichtet mich nicht dazu, seine Überzeugung, wie ausgeprägt auch immer sie sich geben mag, zu teilen. Das wäre ja auch ein merkwürdiges Missverhältnis: Wieso sollte er ein unbedingtes Recht (zur Kategorienauswahl) und ich nur eine unbedingte Pflicht (zur Anerkennung seiner Wahl) haben? Habe ich nicht selbst auch ein Recht auf Wahrnehmung von Wirklichem und Feststellung von Wahrem? Auch dann, wenn der zur Rede stehende Gegenstand etwas Subjektives ist? Und zumal, wenn dieses Subjektive als etwas Objektives behauptet wird?
Gewiss ist es höflich und rücksichtsvoll, anderer Leute Lebensführung irgendwie hinzunehmen, sofern sie einen nicht betrifft. Daraus folgt aber nun wirklich keine Verpflichtung, alles, was jemand haben oder sein will, als legitimen Anspruch unterstützen zu müssen. Weder praktisch noch theoretisch.
Selbst wenn es ein Recht gäbe, die eigene „Identität“ frei zu wählen (was man wohl als strittig bezeichen dürfen wird), so ergibt sich daraus nicht notwendig meine Verpflichtung, diese Wahl anzuerkennen in dem Sinne, dass ich, was als Behauptung einer Wahrheit auftritt, als war bestätigen müsste. Wie jemand die Welt und sich selbst darin sieht, verpflichtet mich nicht, seine ontologischen und epistemologischen Voraussetzungen zu teilen. Im Gegenteil, wenn Kritik nicht mehr möglich sein soll, weil jede Behauptung über „eigentliche“ Wahrheit einfach hinzunehmen ist und nicht in Frage gestellt oder gar bestritten werden darf, besteht, praktisch gesehen, keinen Unterschied mehr zwischen Wahrheit und Unwahrheit.
Wenn es einen Vorteil konstruktivistischer Analyse gibt, dann doch wohl den, dass durch sie gewisse Unbedingtheiten in Frage gestellt werden können. Diskursiv hervorgebrachte Wahrheit ergibt nachweislich nur im gesellschaftlichen Kontext Sinn. Gerade darum sollte man nicht denselben Fehler wie die Verächter des Sozialkonstruktivismus machen, und aus der faktischen Konstruiertheit holterdipolter zum beliebig ausgestaltbaren Konstruieren übergehen. Ausgerechnet aus der gesellschaftlichen Bestimmtheit des Seins den unzulässigen Schluss zu ziehen, man könne jederzeit sein, was man wolle, und jeder müsse einem das bestätigen, ist essenzialistischer Infantilismus. Den lasse ich mir nicht aufnötigen, von keinem Baum und von keiner Telefonzelle.

Montag, 10. April 2017

Merkwürdigerweise glauben Leute oft, man haben sie nicht verstanden, wenn man ihnen widerspricht. Dabei widerspricht man ihnen doch, weil man sie verstanden hat.

Sonntag, 9. April 2017

Notiz zur Zeit (75)

Liebeskundgebung in Stockholm. Die Egozentrik der Leute ist offensichtlich grenzenlos. Nach einem Anschlag in ihrer Nähe trauern sie darum, dass es sie selbst hätte treffen können. Was mit Menschen anderswo passiert — oder mit Menschen, die von anderswo kommen und nicht dazugehören dürfen —, löst offensichtlich keine massenhaften Gefühle aus. Bitte nicht missverstehen, ich rechtfertige keineswegs Mord, im Gegenteil. Aber sagen wir mal so: Wenn man mich nach Usbekistan deportieren wollte, würd ich vielleicht auch sagen, dass ich mit dem IS sympathisiere.