Mittwoch, 15. Februar 2017

Menschenbild

In meinem Denken und Schreiben versuche ich seit jeher, die Menschen – und zwar die wirklichen Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, mit ihrer Würde und ihrer Bedürftigkeit, mit ihren Rechten und ihrer Beschränktheit – gegen die Gewalten, die über sie herrschen wollen, in Schutz zu nehmen. Und doch, so gebe ich ohne zu zögern zu, habe ich nur von wenigen Menschen eine hohe Meinung, halte ganz im Gegenteil sehr viele Menschen für Gesindel und nicht wenige sogar für Abschaum. Dass es den Menschen an Anstand und Geschmack, an Demut und Liebe mangelt, mag man als Wirkung besagter herrschenden Gewalten ansehen, ich sehe darin aber auch als Ursprung derselben. Denn was die Welt zu deren Nachteil beherrscht, ist nichts anderes als die zu einem schier undurchschaubaren Komplex summierten Folgen all der kleinen und großen Unzulänglichkeiten und Untaten, all der Schummeleien und Ausreden, der Gier und des Neides, all der Ichsüchte und Lieblosigkeiten, die den Alltag bestimmen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind das Verhalten der Menschen zueinander mir all den Spuren, die das, auch im sogenannten Materiellen, hinterlässt. Die Welt ist also schlecht, weil Menschen Böses tun und Gutes unterlassen. Was kann ich schon daran ändern? Ändern kann ich nur mich selbst, indem ich versuche, mich anders zu verhalten. Eines aber will ich nicht ändern: Ich werde nicht damit aufhören, die Menschen mit meinen bescheidenen Mitteln gegen alles zu verteidigen, was ihnen übel will. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich sie dabei am meisten vor sich selbst in Schutz nehmen muss.

Donnerstag, 2. Februar 2017

Also so großartig finde ich mich selbst ja nun auch wieder nicht, dass ich mich Gott oder sontswem eine Ewigkeit lang zumuten wollen würde. Da wäre, wenn schon, jede Menge Läuterung vonnöten. Und darum nur immer her mit dem Fegefeuer!

Mittwoch, 25. Januar 2017

Freitag, 20. Januar 2017

Unpresidented?

Arrogant, bigott, borniert, einfältig, eitel, gerissen, gewaltverliebt, gierig, ignorant, lächerlich, selbstgerecht, überheblich, ungebildet, unverschämt usw. usf.: Man mag über Donald Trump sagen, was man will, er repräsentiert aus meiner Sicht genau das, was ich an den USA verabscheue. Darum überrascht es mich nicht, dass Trump Präsident werden konnte. Aber nein, werden manche protestieren, Amerika ist wundervoll, denn es gibt doch auch all das andere. Schon recht, erwidere ich, es mag dort was auch immer geben, aber es kommt auf das an, was sich durchsetzt. Selbst wenn, beispielsweise, die bedeutendsten Ökologen und engagiertesten Umweltaktivisten US-Amerikaner wären, so wären doch die USA der größte Umweltzerstörer des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Was sich durchsetzt, kann man mit den dreizehn oben aufgezählte Attributen bezeichnen. Dieses Amerika ist böse. Ich konnte es nie leiden und habe die Faszination durch die amerikanische oder amerikanisierte Populärkultur weder je geteilt noch je verstanden — auch wenn ich ihr unvermeidlicherweise zeitlebens ausgesetzt und zur Teilhabe an ihr genötigt bin. Darum finde ich Trump zwar abscheulich, aber nicht überraschend. Es ist, als wäre eine dieser grässlichen Zeichentrick- oder Sitcom-Figuren in die Realität eingetreten, die sie ohnehin schon mit nur leichter Übertreibung wiedergab. Von Homer Simpson bis Sheldon Cooper, vom King of Queens bis zu den 2 Broke Girls, von usw. bis usf. (wozu alles Mögliche aufzählen): Hervorragende Merkmale sind schamlose Egozentrik und tiefsitzender Hass auf Humanität. Dafür steht Trump. Das setzt sich durch. Das wird, wenn man es lässt, alles andere zerstören.

Freitag, 13. Januar 2017

Glosse XLVII

Die Palästinensische Autonomiebehörde hat, wie man liest und hört, eine Botschaft beim Vatikan eröffnent. Seltsam. Hat man je etwas von einer Botschaft bei Frankreich oder bei der Schweiz hören oder lesen müssen? Warum denn bei? Soll man wirklich befürchten, dass lästige Sprachkritiker wie ich, die die falsche Formulierung im Vatikan zurückgewiesen haben (bei mir hat das sogar zu einer kleinen Verstimmung mit P. Bernd Hagenkord SJ, dem Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, geführt) und darauf bestehen, dass das Völkerrechtssubjekt, bei dem Botschafter akkreditiert sind, der Heilige Stuhl ist, unwillentlich zur Verwirrung beigetragen haben? Denn tatsächlich heißt es ja korrekt „Botschafter beim Heiligen Stuhl“. (Wie es korrekt übrigens auch „Botschafter am Hof von Saint James“ heißt, wenn ein Botschafter gemeint ist, der vom König von England akkreditiert wird, also im Volksmund ein Botschafter in London oder in England. Trotzdem fiele es wohl niemandem ein, von einem Botschafter beim Königreich England zu sprechen.)